Praxis Dr. Norden Nr. 6 / Inhaltsangabe + Leseprobe

Inhalt Praxis Dr. Norden Nr. 6 EVT 30.10.2018

 

Aufbruchstimmung

Wenn die Liebe gegangen ist

von Patricia Vandenberg

 

Tatjanas Angestellte Marla lebt mit Mann und Sohn in der Wohnung über Danny Norden und Tatjana. Es kriselt in der Ehe, wie Marla ihrer Chefin unter Tränen gesteht. Sie will sich von Pascal trennen. Die chaotische Hobby-Malerin und der perfektionistische Galerist passen einfach nicht zusammen. Als sie ihm die Wahrheit sagt, bricht für Pascal eine Welt zusammen. Kurz darauf bekommt er starkes Nasenbluten und muss von Dr. Danny Norden behandelt werden. In seiner Praxis steht Danny vor einem rätselhaften Fall: Mehrfach werden ihm Jungen mit blauverfärbter Haut vorgestellt. Danny kann sich keinen Reim darauf machen. Sein Bruder Jan, der „Professor“, recherchiert und hilft Danny, dem Geheimnis auf die Schliche zu kommen …

 

Leseprobe Praxis Dr. Norden Nr.6 EVT 30.10.2018

Eilige Schritte hinter ihnen hielten Danny vom Nachdenken ab. Er trat zur Seite, um Platz zu machen. Doch Frauke Heimerl aus dem Labor wollte zu ihm.

„Da haben Sie mir ja ganz schön Ärger eingebrockt.“ Die Blätter in ihrer Hand zitterten vorwurfsvoll.

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“

„Ach. Und wer hat dann bittschön die Antikörperuntersuchung für Lüders angefordert? Zimmer 64.“

„Das war ich.“

Marla ging langsam weiter. Sie betrachtete die Bilder, die im Flur hingen. Kunst war für sie Lebenselixier, ein Leben ohne sie unvorstellbar. Ohne Kirchen und Skulpturen, ohne Gemälde, Bilder und Fotografien zu Hause. Ohne Musik oder Kinofilme. Die Welt wäre eine andere. Kalt, trist und grau. Wie meine Zukunft!, ging es ihr durch den Sinn. Schnell drehte sie sich wieder zu Danny um. Der stand immer noch da und diskutierte mit der medizinisch-technischen Assistentin.

„Dann erklären Sie meinem Chef bitte mal, warum Sie das getan haben. Unnötige Untersuchungen werden nicht sehr gern gesehen“, fauchte Frauke Heimerl.

Danny legte den Kopf schief.

„Ich verstehe nicht. Der Test war wichtig zur Absicherung einer Diagnose. Seit wann verstößt das gegen irgendeine Richtlinie?“

„Seit bei dem Patienten Pascal Lüders bereits vor eineinhalb Jahren Morbus Wegener festgestellt wurde.“

Mit einem Schlag wurde es still. Als hätte jemand den Ton abgedreht. Oder hatte ihr jemand einen Schlag auf den Kopf gegeben? So benommen fühlte sich Marla wenigstens.

Ein Glück, dass wenigstens Danny Norden noch bei klarem Verstand war.

„Moment mal. Die Symptome sind doch jetzt erst aufgetreten.“ Er drehte sich zu Marla um.

„Ja, ja natürlich. Ich hätte doch mitbekommen, wenn das schon früher passiert wäre.“ Sie klang nicht gerade überzeugend. Schon bevor Fynn auf die Welt gekommen war, hatte sich ihr Fokus verschoben. Noch im Mutterleib war ein schwerer Herzfehler diagnostiziert und operiert worden. Nie zuvor oder danach hatte Marla so viel Angst gehabt wie in dieser Zeit. Und nie zuvor hatte sie so viel Glück empfunden, als sie endlich ihr gesundes Baby in den Armen halten konnte. In dieser Zeit war ihr Pascal eine große Stütze gewesen. Der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Inzwischen waren zwei Jahre ins Land gegangen. Plötzlich hatte sich etwas verändert. Oder hatte es schon vor langer Zeit begonnen, und sie hatte es nur nicht bemerkt? Einfach nicht bemerkt, wie rätselhaft Pascal ihr geworden war.

Frauke lachte kühl.

„Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Patient eine Diagnose verschweigt.“

„Sie meinen … “, wollte Danny nachhaken.

„Lesen Sie selbst! Ich muss zurück ins Labor. Eine Standpauke am Tag reicht mir.“ Sie drückte ihm eine Akte in die Hand. Das Quietschen ihrer Gummisohlen wurde schnell leiser. Danny sah hinüber zu Marla. Ihre Miene sprach Bände. Er schlug die Akte auf, und sie steckten die Köpfe zusammen.

„Er hat es wirklich gewusst“, seufzte er schließlich.

„Und er hat mir kein Wort davon gesagt.“ Marlas Stimme kam von weit, weit her.

Danny ließ die Akte sinken. Er legte den Arm um ihre Schultern und zog sie an sich.

 

 

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